Meine Hinweise zur Pflege von Kakteen sollen als Ergänzung zu den überall in guten Fachbüchern zu findenden Pflegebeschreibungen dienen. Ich möchte meine Besucher nicht mit Dingen langweilen, welche Sie woanders schon gelesen haben könnten.
 
Zum Verständnis meiner Pflegehinweise:
Die Pflege von Kakteen ist immer abhängig von dem jeweiligen örtlichen klimatischen Gegebenheiten ! Ein Pfleger aus dem schönen Bayern - Land wird ganz andere Erfahrungen zum Beispiel mit dem Zeitpunkt des ersten Angießen gemacht haben, als ich hier im Norden Deutschlands.

   Ich habe meine Pflanzenarten Pflegegruppen zugeordnet. Damit gelingt es mir meine Pflanzen
grob zu gliedern und ihnen im Gewächshaus einen für sie günstigen Platz zu finden. Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel.

  Pflegegruppen  
1 Standort
Sommer: kühl, hell, luftig, teilweise im Freiland mit Regenschutz
Winter : absolut trocken!, hell, Temp 6°C bis Frostgrenze
Arten: Echinopsis, Rebutia, Aylostera, Lobivia, Mediolobivia, Sulcorebutia, Chamaecereus

2 Standort
Sommer:
warm bis heiß (bis 45°C keine Seltenheit ) vollsonnig
Winter : absolut trocken, hell, Temp 12°C bis 6°C
Arten: Coryphantha, stark weiß bedornte Mammillarien, Ariocarpus, Astrophytum,,
      Gymnocactus, Hamatocactus, Lophophora, Strombocactus, Thelocactus,
      Epithelantha, Ferocactus, Glandulicactus, Turbinicarpus

3 Standort
Sommer
: halbschattig, mäßig warm
Winter  : absolut trocken, hell, Temp. 12°C bis 6°C
Arten : Acanthocalycium, Cleistocactus, Echinocereus, Escobaria, Gymnocalycium,
      Mamillaria, Matucana, Notocactus, Parodia, Seti-Echinopsis, Weingartia,
      Echinofosullocactus, Hildewintera, Wilcoxia

4 Standort
Sommer: mäßig warm, hell
Winter : im warmen Raum Temp. 12°C bis 15°C, in größeren Abständen etwas gießen
Arten : Melocactus, Eriocactus, Mamillaria vom Standort Baja C., Echinocactus, Discocactus


 
   Meine Substrate  
  Die Rezeptur der Kakteenerde wird von den meisten Kakteenzüchtern als " Geheimsache " behandelt. Dabei ist es eigentlich garnicht das wichtigste, wenn einige wenige Kriterien bei der Zusammenstellung beachtet werden. Da wären nach meiner Meinung nach wichtig :

* die Erde sollte sich nicht durch das Gießen verfestigen
* sie sollte obeflächlich schnell abtrocknen können
* Wasser aufnehmen können
* und nach Möglichkeit neutral bis leicht sauer reagieren ( ph - Wert )

Solche Erde wird von den meisten Kakteenarten gut vertragen. Sicherlich müssen auch Nährstoffe für die Pflanzen bereitgestellt werden. Diese kann man aber auch später durch Düngergaben, mit welchen man auch den ph - Wert der Erde regulieren kann, verabreichen. So kann man seine Pflanzen in reinem Torf oder nur in Katzenstreu pflegen. Ersteres wird häufig bei" robusten",schnell herran gezogenen Pflanzen, welche z.b. in Baumärkten oder einigen Blumenläden mit holländischer Belieferung zu finden sind, angewendet.
In solchen "Aufzuchtstationen" berechnen Computerprogramme den optimalen Dünger - und Wasserverbrauch.
Man staunt immer wieder, was Pflanzen alles so aushalten!
Sollte man sich zum Kauf einer solchen Pflanze hinreisen lassen, rate ich, die Pflanze umtopfen! Ist der Torf erst einmal richtig ausgetrocknet ( im Winter unvermeidbar ) bekommt man große Probleme, den Wasserhaushalt der Erde wieder in den Griff zu bekommen. Wurzelverlust der Pflanze ist somit unvermeidbar.
Ich nehme für die meisten meiner Pflanzen folgendes Erdgemisch :
- reichlich 2/3 mineralische Stoffe wie :
  gewaschene Quarzsande ( je nach Gegend in Flußtälern, Kiesgruben?, Aquarienläden, Baumärkten zu bekommen) Meiner stammt vom Ostseestrand und muß wegen der Salze nachgerreinigt werden.
  Katzenstreu (aber nur das von "Thomas" und nicht klumpend ! unbedingt beachten )
  Aqualit ( Aquarienhandel - ist eine Art geblähtes Tonmineral mit hellen Aussehen und angereicherten Spurenelementen)
  Blähton gebrochen eignet sich ebenfalls, da das Material gut Wasser aufnimmt und für Luftzwischenräume im Substrat sorgt.
  Blähschiefer, Lavalit, Perlite, diverse Dämmschüttungen aus der Baubranche eignen sich ebenfalls als Zuschlagsstoffe für unsere Erde und wurden durch mich ausprobiert.
Als
1/3 verwende ich für meine Erde torfhaltige Pflanzenerde. ( Anzucht- oder Pflanzerde aus dem Baumarkt )
Man sollte sich aber unbedingt deren Zusammensetzung auf der Rückseite des Sackes durchlesen ! Viele Erden sind schon vorgedüngt. (Stickstoff - Anteil beachten).
Früher habe ich Hochmoortorf ( ph-Wert 3,5) für das Absenken des ph-Wertes der Erde verwendet. Ist aber leider nicht mehr zu bekommen. (Wenn ja, wäre ich für einen Tipp immer dankbar)
 Buchenlauberde stark verrottet oder magere Rasenerde lassen sich gut verwenden, sollten aber auf Grund hoher Rate an pilzlichen und tierischen Befall gedämpft weden.
Mein Erdgemisch bekommt noch etwas Bentonit, Urgesteinsmehl und Langzeitvorratsdünger beigemengt.
Alles gut vermischt, hat man eine gute lockere Erdmischung.
Bei dem Füllen der Töpfe kann man nun noch achtgeben, daß das Substrat nach oben hin gröber wird. Meistens reguliert sich dieses nach mehmaligen gießen von selbst.


  Meine Wasserversorgung   
  Pflanzen müssen, wie alles Leben auf dieser Erde, Wasser aufnehmen. Unsere Kakteen haben es zwar gelernt, mit dem wertvollen Naß behutsam um zu gehen, aber ohne ihm kommen auch sie nicht aus.
Kakteen nehmen Wasser über ihre Wurzeln, aber auch über die Stacheln und ihre Epidermis auf. Deshalb werden meine Pflanzen nicht nur gegossen, sondern regelmäßig in der warmen Jahreszeit übersprüht.
Als Wassergrundlage verwende ich nach Möglichkeit nur Regenwasser. Hier, bei uns an der Ostsee, gibt es kaum industrielle Luftbelastungen, so das mein Regenwasser sich zum gießen eignet. Es wird in abgedeckten Wassertonnen gesammelt.
Das Übersprühen erfolgt bei mir in der Regel um die Mittagszeit. Nur an sehr heißen Tagen früh am Morgen oder Abends. Es sollte gewährleistet sein, daß die Pflanzen nach 1 bis 2 Stunden wieder abgetrocknet sind.
Von Zeit zu Zeit gebe ich dem Sprühwasser Pflanzenschutzmittel ( auch Gift genannt) zu, um dem Schädlingsbefall im Gewächshaus nicht all zu großen Freiraum zu geben. Spinnmilben oder Wurzelläuse sind nie ganz auszurotten.
Gegossen wird bei mir im Gewächshaus alle 3 bis 4 Wochen. Wenn das Wetter mitspielt ! Dann aber richtig.
Pflanzen, welche in Schalen stehen weden angestaut, bis die Töpfe sich vollgesaugt haben. Einzeltöpfe gieße ich von oben. Beide Verfahren haben Vor- und Nachteile.
Von oben gegossen, spühlt man die sich durch Verdunstung abgelagerten Salzverkrustungen weg. Gießt man zu wenig, wird der Topf nur oberflächlich naß. Die feinen Faserwurzeln im Topf unten bleiben trocken, wobei der Wurzelhals der Pflanze meistens zu lange der Feuchtigkeit ausgesetzt ist und zu faulen beginnen kann. Im Anstauverfahren bleiben die Verkrustungen erhalten und schädigen den Luftaustausch im Topf. Beides mit Gefühl angewendet ist hier wohl die beste Methode.
Wichtig ist - die Pflanzentöpfe müssen bis zum nächsten mal gießen gut durchgetrocknet sein .


  Meine Pflanzenernährung  
  Mit Düngergaben habe ich noch nicht sehr viele Erfahrungen sammeln können, da ich sie bis jetzt noch nicht groß angewendet habe. Meine Pflanzen sollen langsam wachsen. Das heist "hart gezogen". Mit wenigen jährlichen Zuwächsen an Pflanzengröße habe ich mir eine sehr robuste Sammlung angeschafft. Meine Pflanzen haben ein recht natürliches Aussehen mit starker Bedornung. Ihre Blühleistung ist für mich ausreichend.
Wer aber kräftig prall gefüllte Pflanzenkörper schön grün mag und jedes Jahr viele Blüten sehen will, der muß Düngen. Den soviele Nährstoffe kann auf Dauer das beste Pflanzensubstrat nicht bieten. Düngemittel sind in jedem Baumarkt, aber besser noch bei Pflanzenzubehör - Lieferanten zu bekommen. ( siehe Link-Seiten )
Ich weiß, daß man Flüßigdünger verdünnt dem Gießwasser zugeben kann. Auf den Packungen steht dann immer alle 14 Tage ( so oft gieße ich garnicht ). Den Dünger zu versptühen lohnt nicht.
Er lagert sich als weißer Salzniederschlag auf der Epidermis ab und sieht unschön aus. Kann so von den Pflanzen auch kaum aufgenommen werden.
Gedüngt werden sollten die Kakteen auch nur wärend der Hauptwachstumszeit bis höchstens August. Danach sollte das Pflanzengewebe ausreifen und sich für die lange Winterzeit rüsten.
Verweichlichte ( zu gut ernährte Pflanzen ) kippen meistens im Winter um. Sie sind sehr Krankheitsanfällig ( für tierische und pilzliche Schädling).


  © 2004 / 2006 Gerd Weiß / Rügenkaktus
Stand : 22. Oktober 2006